Ich bin ein kaputter Mensch.

Broken beyond repair.

Damaged goods.

Ich bin ein kaputter Mensch, der sich zu anderen kaputten Menschen hingezogen fühlt. 

Ich kenne ihre Geschichte nicht. Ich mag sie und wenn wir uns unterhalten, kommt die Schwere raus. Das Unüberwindbare. Der Schmerz, der tief drinnen wohnt. Mit ihm kann ich mich identifizieren. Zu ihm fühle ich mich hingezogen. Ihn kenne ich. 

Jeder Mensch hat solche Geschichten. (Glaube ich. Ich habe noch nicht mit allen Menschen gesprochen.)

Wenn du mir deinen Schmerz erzählst, deine Kaputtheit schilderst, sehe ich dich nicht als etwas, das es zu reparieren gilt. Du bist nicht krank oder kaputt für mich. Du wirst menschlich. Bekommst Charakter. Zartheit. Stärke. Du öffnest ein Tor zu mehr Nähe. Ich bewundere dich. Für mich wirst du vollkommener.

Du. Nicht ich. Für mich gelten andere Maßstäbe. Ich muss erst geheilt sein. Ich muss mein Elend erst überwinden und darüber hinauswachsen, damit dasselbe für mich gelten kann. Ich muss erst perfekt sein. Dann habe ich eine Berechtigung. Eine Berechtigung zu leben. Eine Berechtigung dir mit deinen Schwierigkeiten zur Seite stehen zu können. 

Das ist nicht die Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich habe einige Menschen durch tiefe Prozesse begleitet, denen es nachher viel besser ging. Die dadurch weiser wurden, sich selbst besser kennengelernt haben. Sich ein Stück mehr akzeptieren konnten. Ich habe auch leichte Prozesse begleiten dürfen. Die Freude gebracht haben, nächste Schritte auf dem Weg in einem aufregenden oder auch entspannenden Leben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Anwesenheit und meine Anleitung oder Fragen, wie immer du es nennen willst, geholfen haben. Ich habe perfekten Menschen dabei geholfen sich selbst und ihren Träumen näher zu kommen. Es hat mir Spaß gemacht. Trotz meiner Kaputtheit. Obwohl ich nicht heil bin. 

Heilen ist so wichtig in meiner Bubble. Alle heilen. Ich sollte heil sein. Du brauchst nicht heilen. Es reicht, wäre schön. Wäre großartig, wenn du dich lieben könntest, so wie du bist. Je besser ich dich kennenlerne, umso mehr liebe ich dich. Manchmal äger ich mich darüber, dass du dein Potential nicht lebst. Oder darüber, dass du dich nicht wichtig genug nimmst. Darüber, dass du dir selbst um Weg stehst. Dann will ich dir helfen, das besser zu machen. Weil ich mich ärger. Ich seh so viel mehr in dir. Doch dann erinnere ich mich daran, dass es nicht darum geht. Dass das alles keine Bedeutung hat. Dass dein Weg dich genau da hinbringen wird, wo du hin sollst. Manchmal werde ich noch ungeduldig. Will schon um deine nächste Ecke sehen. 

Dann komm ich wieder bei mir an und lass dich deinen eigenen Weg gehen. Erkunde mit dir die Hindernisse oder anderen Abzweigungen, die dich auch so anziehen. Und es ist gut.

Falls du das Gefühl hast, da festzustecken, wo du bist, hast du einfach die Weisheit des Moments noch nicht gefunden. Das ist auch ein spannender Ort. Find ich halt. Bei dir. Bei mir nicht so. Ich sollte schon darüber hinweg sein. Ich sollte schon weiter sein. 

Tiefer Atemzug. 

Ich bin auch okay. Ich bin auch gut, so wie ich bin. Zeit ist eine komische Sache. Ich sollte schon weiter sein. Ich sollte schon ganz woanders sein. 

Atmen. 

Hinhören. 

Es ist gut, so wie ich bin. Ich kann nirgendwo anders sein und immer noch der Mensch, der ich jetzt grade bin, auf dem Weg, den ich für mich gewählt habe, geht es nicht schneller. Ich will keinen anderen Weg. Hier ist es gut. Ich bin nur ungeduldig. Das ist auch schön. Das heißt, dass ich wo hin will. Ich werde wohin gezogen. Das ist Leben. Das ist Lebendigkeit. Das bin ich. 

Mmmmhhhhh.

So fühlt sich Ruhe an. So fühlt sich meine Weisheit an. 

Jetzt kann ich weiterschlafen.

Danke für’s zuhören. 

Deine Lisa.