Es gibt Menschen, die sind ständig damit beschäftigt sich zu heilen.

Bei mir ist das erst spät gekommen. Da hat dann schon die Hoffnung eingesetzt. Davor dachte ich nämlich, dass ich halt so bin. Dass sich leben für mich so anfühlt. Schwer und anstrengend. Dass sich das auch gar nicht ändern lässt. Ich bin halt ein bisschen kaputt gebaut.

Psychotherapie hat daran nichts Grundlegendes geändert.

Ich konnte zwar mit manchem besser umgehen, doch hauptsächlich haben wir uns damit beschäftig, warum es mir so geht, wie es mir geht.

Und das habe ich richtig gern gemacht. Ich habe mich schon immer als Ursachenforscherin bezeichnet – im Gegensatz zu den Symptombehandler:innen.

Es war ein wichtiger Schritt, mir bewusst zu machen, was bis dato nicht gut gelaufen ist. Weil es mir gezeigt hat, dass ich nicht kaputt gebaut sondern erst durchs Leben so geworden bin.

Und die Therapie hat viel in mir bewegt, das muss gesagt sein. Doch mein Ziel war damals eher besser zurecht zu kommen, als geheilt werden.

Ich glaube, der Begriff vom Heilen ist überhaupt erst durch mein spätes Interesse an spirituellen Themen aufgekommen.

Davor hatte ich noch eine Selbstoptimierungsphase, in der ich mich jedoch nicht lange halten konnte.

Und obwohl ich mich noch immer nicht wirklich als spirituellen Menschen bezeichnen kann – irgendwo hakt’s da gewaltig – so fühle ich mich doch bei einigen Themen abgeholt.

Die Idee anzunehmen, was ist, anstatt ständig gegen alles ankämpfen zu müssen;

Die Mischung aus Gestalterin meiner Realität zu sein und gleichzeitig dem Leben zu vertrauen;

Das Gefühl von grenzenloser Weite, verbunden mit absoluter Präsenz;

Die Idee, mit allem verbunden zu sein;

Vom Kopf ins Spüren und komplett in mir anzukommen.

Diese Dinge habe ich von Menschen gelernt, die sich selbst als spirituell bezeichnen.

Irgendwie scheint sich mit all dem auch die Idee von Heilung eingeschlichen zu haben.

Auch haben sich viel mehr Möglichkeiten aufgetan, um dieses neue Ziel zu erreichen.

Und ich habe mir Vieles angesehen.

Ich habe Aufstellungsarbeit gemacht und gelernt, Dinge, die nicht zu mir gehören, die ich von früheren Generationen übernommen habe, an meine Ahnen zurückzugeben.

Ich habe lange erfolglos versucht meine Gefühle durchzufühlen, um sie loszulassen, bis ich mit somatischer Therapie begonnen und gelernt habe, dass ich für schwere Themen Unterstützung brauche. Ich kann nicht alles alleine.

Bei einem ersten kurzen Ausflug in Energiearbeit habe ich gehört, dass ich mich vor fremden Energien schützen muss. Das hat mein Interesse jedoch nicht lange halten können.

Auch habe ich versucht mein Ego loszuwerden, weil ich das ja nicht bin. Das sind nur gelernte Schutzmechanismen, die ich nicht mehr brauche und auch loslassen darf – Das hat mir gut ins Bild gepasst, als ich mehr ich selbst werden wollte.

Doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass manche dieser Ideen zwar funktionieren, aber einfach nicht mein Weg sind.

Für mich ist klar: Was in mir ist, das ist auch meine Aufgabe. Egal, wie ich dazu gekommen bin.

Schlussendlich möchte ich imstande sein, mit allem, was schon da ist und allem, was noch auf mich zukommt, umgehen zu können.


Heilen passt da für mich persönlich nicht als Beschreibung. Ich finde den Begriff nicht falsch, doch er beinhaltet krank oder verletzt zu sein und so will ich mich nicht sehen.

Auch fühlt es sich nicht nach meiner Aufgabe an.

Mein Körper, mein ganzes System heilt sich von ganz alleine, solange ich ihm nicht im Weg stehe. Das funktioniert vom kleinen Schnitt in den Finger bis zu psychischen Traumata.

Sofern wir in einer sicheren, liebevollen Umgebung sind, in der wir gesehen und unsere Schmerzen ernst genommen werden.


Leider haben wir unsere Gesellschaft nicht als sicheren Raum gebaut, der unser System unterstützt. Stattdessen benutzen wir uns selbst, um andere Systeme zu unterstützen. Und selbst wenn sie rücksichtsvoll gedacht sind, können sie unsere eigene, intrinsische Intelligenz nicht übertreffen.

So ist es jetzt unsere Aufgabe, diesen Raum für uns selbst zu schaffen. Uns selbst liebevoll zu begegnen, unseren Schmerz zu sehen und ernst zu nehmen.

Weil wir unser Leben lang trainiert haben, bestimmte Eigenschaften und Anteile zu unterdrücken – sonst würde sich jemand für uns genieren oder von uns abwenden oder gar gefährlich für uns werden – geht das nicht von heute auf morgen.

Auch hier gibt es viele Wege zu gehen.

Meiner ist es, mehr bei mir anzukommen. Mich immer besser zu spüren und so Hinweise und Symptome wahrzunehmen, die darauf hinweisen, dass etwas gesehen werden will. Diesen Zeichen nachzugehen, sie kennenzulernen und sich ausdrücken zu lassen. Es entsteht ein Prozess, in den wir so tief eintauchen können, dass kein Platz für Verurteilungen bleibt. Oft wird er so abstrakt, dass ich gar nicht wüsste, worüber ich urteilen sollte. Immer geht er in eine Richtung, die ich nicht erwartet hätte. Durch dieses unvoreingenommene Gesehenwerden, kann es sich integrieren, wenn es dazu bereit ist. Unterdrückte Anteile kommen so wieder ins Leben.


Wenn du jetzt einen Moment in deinen Körper spürst, ihn einfach wahrnimmst, ohne etwas Bestimmtes zu suchen oder zu erwarten, einfach nur da bist und zuhörst. Reinschaust. Spürst. Da bist.

Was will gesehen werden?

Was fällt dir auf?

Wo macht sich etwas bemerkbar? Ganz subtil? Ganz leise?

Wohin geht deine Aufmerksamkeit? Zu welchem Körperteil?

Und wie fühlt es sich da an?

Ist es schwer hier zu bleiben oder leicht?

Und was passiert, wenn du mit deiner Aufmerksamkeit einfach da bleibst?

Ändert sich etwas oder nicht?

Hast du einen Impuls, etwas zu tun, oder nicht? Gähnst du?

Kannst du dem einen passenden Ton geben oder eine Handbewegung? Ganz ohne nachzudenken. Probier einfach aus, was kommt.

Wie fühlt es sich an, das zu machen?

Wie reagiert die Stelle in deinem Körper darauf?

Nimm dir Zeit. Bleib da. Gönn dir ein paar Minuten Spiel mit dir selbst.

Wenn du gerne tiefer gehen und entdecken möchtest, was da auf dich wartet, freu ich mich, dich kennenzulernen. Buche dir gerne hier deine Entdeckungsreise.

Und du kannst auch gerne heilen dazu sagen, wenn das für dich passt. Ich werde es dir nicht ausreden. Ganz im Gegenteil. Ich möchte immer deine Betrachtungsweise einnehmen. Das ist die einzige, die für dich und deinen Prozess zählt.

Dieser Beitrag hat einen Teil 2.