Imposter-Syndrom? Abgeschafft.

Ich schreibe gerne. Ich möchte Menschen helfen.

Anstatt zu schreiben, habe ich viel darüber nachgedacht, ob sich jemand dafür interessieren könnte, was ich zu sagen habe. Ob ich wirklich in der Lage bin jemandem zu helfen. Eigentlich habe ich gar nicht so viel darüber nachgedacht. Es ist mehr eine Überzeugung, die in mir lebt.
Niemand braucht mich. Niemand interessiert sich für meine Meinung.
Eine Überzeugung, die ich schon oft wegrationalisiert habe. Für die ich viele Gegenbeweise gesammelt habe. Dennoch. Sie ist da. Sie hält mich zurück. Unbewusst. Subtil. Versteckt sitzt sie irgendwo in meiner Psyche und hält die Zügel fest angezogen, um mich davon abzuhalten, meine Träume zu leben. Oder mich zum Idioten zu machen. Das kannst du dann für dich entscheiden, wenn ich es geschafft habe, etwas zu schreiben. (Und auch zu veröffentlichen.)

Ich mache Mindsetarbeit, ich fühle meine Angst. Ich arbeite an mir und das ist auch alles notwendig – denke ich – doch es ändert sich nichts. Mein Kopf denkt über mögliche Themen nach, formuliert sie für mich aus,…
… doch ich schreibe nicht.

Ich erkenne mich nicht in dem, was mein Kopf da erzählt. Es klingt so lehrerhaft. So expertig. So sehe ich mich nicht. So sehe ich meine Rolle in deinem Leben nicht. Du bist die einzige Expertin, der einzige Experte für dein Leben. Meine Aufgabe ist es dich dabei zu unterstützen, deine Träume zu leben. Dir zu helfen, deine eigenen Blockaden aus dem Weg zu räumen und deine Größe zu sehen. Und auch nach ihr zu handeln.

Vorgestern hatte ich in einer Sitzung das Thema Imposter-Syndrom. Eine Frau, ein Coach, die Mumpreneurs oder Entrepreneurs (ich mag das Wort Mumpreneur) helfen möchte.
Sie war jahrelang Miteigentümerin eines erfolgreichen Familienunternehmens. Doch weil sie sich am Beginn ihrer Coaching-Karriere noch nicht erfolgreich fühlt, hat sie Sorge, dass sie nicht gut genug ist, um ihre Klienten zu unterstützen.

Für einen Moment fiel es mir schwer, ihre Gefühle nachzuvollziehen. In meinen Augen hat sie alles, was sie braucht, um andere auf ihrem Weg in den Unternehmenserfolg unterstützen zu können.
Meine eigenen Projektionen kamen hoch und starrten mich aus 2 cm Entfernung an.

Ich kenne das Imposter-Syndrom nur zu gut. Ich habe es nie so genannt, doch ich weiß genau, wie es sich anfühlt. Ich habe die letzten 17 Jahre mein Geld als Fotografin verdient und hatte bei jedem einzelnen Job Sorge zu versagen. Ich war unsicher. Ich hatte in mir keine Referenz dafür, wie es für mich aussieht, wenn ich meine Aufgabe erfolgreich erfüllt habe. Ich war zu 100 % abhängig davon, ob meine Kunden zufrieden waren.

Wir können das Imposter-Syndrom aus vielen Perspektiven betrachten. Mich intersessiert gerade die einseitige Orientierung nach außen. Zu versuchen etwas darzustellen, was andere von mir erwarten. Etwas verkaufen zu wollen, was sich nicht zu 100% nach mir anfühlt, weil ich glaube, dass das so gehört. Dass andere das so wollen.
Klingt erstmal logisch anzubieten, was gerade nachgefragt wird.

Doch wo bleiben wir dabei? Was passiert mit unseren Visionen und unserer Leidenschaft?

Vielleicht gibt es Bereiche, in denen es darum geht, die vorhandenen Bedürfnisse genau zu erfüllen. (Sag mir gerne, wenn du das so siehst.)

Doch frei nach Henry Ford: Hätte ich sie gefragt, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.

Außerdem beschäftigt mich eine andere Frage.
Ich wünsche mir eine Welt, in der alle Menschen ihrer Leidenschaft nachgehen. Ich glaube auch gar nicht, dass dann niemand mehr putzen würde. Oder zumindest würde jemand eine Lösung dafür finden. Denn es scheint unser Naturell zu sein, etwas tun zu wollen, was andere glücklich macht oder zu unserer Welt beiträgt. Probleme zu lösen.
Und die, die sich nur mit sich selbst beschäftigen wollen, die können wir als Gesellschaft mittragen. Auch wenn ihr Beitrag auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist, bedeutet das nicht, dass er nicht vorhanden ist.

Mir vorzustellen, dass nur die Menschen in meinem nahen Umfeld erfüllt sind von ihrem Leben, gar nicht auf die Idee kommen, den Sinn zu hinterfragen und sich in ihrer Arbeit ausdrücken können, bringt Ruhe, Weite und Wärme in meinen Körper.

Für mich beginnt das nicht im Außen. Für mich beginnt das im Innen. Für andere mag das anders sein, doch mein Weg kann nicht anders verlaufen. Solange ich in mir und mit mir keine Zufriedenheit finden kann, werde ich sie auf Dauer auch nicht durch eine Tätigkeit finden.
Sicher kann ich mich für eine Zeit mit den Bedürfnissen anderer beschäftigen, um mich sinnvoll zu fühlen.
Doch das ist nicht, was ich mir für uns erträume.

Deshalb schreibe ich diesen Blog jetzt einfach so, wie er mir gefällt. Weil ich immer schon gern geschrieben habe. Weil ich etwas zu sagen habe, auch wenn ich nicht weiß, ob sich jemand dafür interessiert.
Weil ich dadurch ein bisschen was von meiner Leidenschaft ausdrücken kann.

Und wovon träumst du?